Alles Verwandtschaft

Wer Fossilien suchen möchte, muss nicht nur wissen, wo er suchen sollte, wann die günstigste Zeit bzw. Witterung und wann das beste Licht ist, sondern braucht noch das nötige Werkzeug. Insoweit gehört schon ein bisschen Erfahrung dazu um nicht nur dreckige Schuhe und Frust zu ernten. Bei einem meiner letzten Suchtage fiel mir auf einer freien Fläche ein ca. 2 cm kleiner frei liegender Ammonit mit noch ein paar zu erkennenden weiteren Bruchteilen im braunen Jura (Dogger> delta) auf – siehe Foto:

Traveler

Angestachelt von der Neugier und der Erkenntnis, dass es sich um zerbrechliche rostige Ammoniten handelt, schürfte ich ganz vorsichtig die Tonschichten ab und legte die Fundstücke sorgsam in eine kleine Plastiktüte, die die feuchte Atmosphäre garantierte.
Die „Schürfgrube“ hatte dann eine Fläche von rund 15 cm³ und die Ausbeute lag bei rund 25 Ammoniten und Teilen davon, da nicht alle ganz erhalten blieben. Die kleinsten Exemplare waren rund 5 mm groß. Die großen sind ca. 2 cm im Durchmesser. Das Alter der Tiere ist anhand der Anwachslinien zu schätzen. In vorliegendem Falle dürfte es sich um Exemplare zwischen 0 und 2 Jahren handeln. Sie gehören alle der gleichen Art (Verwandtschaft) an.

Anhand der Literatur „Die Alb und ihre Fossilien“ (Beurlen/Gall/Schairer) konnten die Ammoniten als Dorsetensia deltafalcata (Quentstedt), bestimmt werden. Diese Ammonitengattung gehört noch zu den Leitfossilien des Dogger delta.

Weshalb sich die ganze Verwandtschaft auf solch engem Raum angesammelt hat ist nicht klar. Gegen eine mögliche Anschwemmung spricht der Umstand, dass nur diese Gattung dort vorkam. War es etwa das Laichgebiet der elterlichen Ammoniten? Ammoniten schlüpften aus Eiern und wurden von ihren Eltern danach nicht mehr versorgt. Nachdem diese nur ganz kurz lebten, dürfte es sich um einen sehr ungünstigen Laichplatz gehandelt haben. Dagegen müssen sie sehr schnell von Sediment überdeckt worden sein, denn sonst wären sie nicht mehr als Fossilien erhalten geblieben. Welches Schicksal sie tatsächlich ereilt hat, bleibt Spekulationen und der Phantasie vorbehalten. Schön ist, dass sie nach 160 Millionen Jahren wieder aufgetaucht sind. Irgendwie ein Wunder!

09-Dorsetensia deltafalcata-V

-Arthur Schaller, Weil der Stadt-